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Keine zweite Amtszeit PDF Drucken E-Mail
Montag, den 08. Februar 2010 um 23:35 Uhr

Charlotte Knobloch wirft hin - ist die BIA schuld?

Jetzt ist es amtlich: Die Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, ist amtsmüde. Sie will nicht mehr für eine zweite Amtszeit zur Verfügung stehen, heißt es, oder noch schlimmer, sie wolle vorzeitig hinwerfen. Aus Zentralrats-Reihen wird sogar offen über ihre Eignung für das verantwortungsvolle Amt spekuliert. Nicht einmal die „Süddeutsche Zeitung“ konnte hier helfen. Auf Seite 6 der Wochenendausgabe vom 6. Februar bekam die Zentralratchefin fast eine ganze Spalte zur Darstellung ihrer Befindlichkeiten. In dem etwas weinerlichen Artikel beklagt sie sich darüber, daß die Zahl der Juden in Deutschland wieder abnehmen könnte, und forderte die Entwicklung einer „jüdischen Identität“.

Hat womöglich ausgerechnet der israelische Staatspräsident die ewig Unvermeidliche so demoralisiert?

Wir erinnern uns: In einem Interview in der FAZ vom 23. Januar 2010 war Shimon Peres gefragt worden: „Welchen Platz sehen Sie für die jüdische Gemeinde in Deutschland? Einer Ihrer Vorgänger, Ezer Weizmann, forderte während eines Besuchs in Deutschland die Juden auf, nach Israel zu kommen.“ Peres´ Antwort: „Der beste Ort für Juden ist Israel. Er ist besser als jeder andere Ort; das gilt auch für Deutschland. In Israel können Juden sich selbst ausdrücken, ihre Tradition fortsetzen und an ihre Vergangenheit anknüpfen. In Israel haben sie ihren eigenen Staat, der Juden einlädt zu kommen. Heute sind sie eingeladen, Teil eines Landes zu werden, das viel zu bieten hat. Es ist ein moderner, demokratischer, lebendiger Staat. Warum sollten sie sich eher für die Schattenseiten entscheiden, wenn die Sonnenseite offen steht?“

Will Charlotte Knobloch einfach nicht länger auf der Schattenseite stehen? Oder will Sie dem erfolgreichen Einsatz ihres Sohnes Bernd für den Bestand des deutschen Bankenplatzes nicht länger im Weg stehen? Wer weiß.

Am Ende freilich könnten die Gründe für die Amtsmüdigkeit der Frau Präsidentin aber ganz nahe liegen, in München nämlich. Dort treibt seit mittlerweile zwei Jahren zunehmend erfolgreich die Bürgerinitiative Ausländerstopp (BIA) ihr Unwesen und hat mit Karl Richter sogar einen leibhaftigen Stadtrat im Rathaus der Landeshauptstadt.

Wie gerne – man erinnert sich noch der herzerweichenden Auftritte des Münchner „Bündnisses für Toleranz“ unter Einschluß der Zentralratschefin - hätte die sympathische Frau Präsidentin dies nicht verhindert. Zuerst versuchte ihr Stellvertreter bei der Israelitischen Kultusgemeinde, Marian Offman (CSU), den Einzug der BIA in den Stadtrat zu verhindern. Dann „sah“ Offman plötzlich bei der Vereidigung der neuen Stadträte am 2. Mai 2008 in Karl Richters Armhaltung einen „Hitlergruß“. Aber: Trotz großzügigster Unterstützung durch die Münchner Justiz blieb es „nur“ bei eine Geldstrafe, und Karl Richter, seit April 2009 zugleich stellvertretender NPD-Bundesvorsitzender, blieb weiterhin Stadtrat in der bayerischen Metropole.

Der letzte Nackenschlag kam im Januar. Die Einladung Richters zum diesjährigen „Holocaustgedenken“ am 27. Januar in den Bayerischen Landtag, ausgesprochen ausgerechnet vom NS-Dokumentationszentrum, muß Frau Präsidentin tief getroffen haben. Wie konnte so etwas nur passieren? Zerbröselt hier nicht eine moralische Autorität sozusagen vor laufender Kamera?

Jedenfalls war die Zentralratschefin im Landtag außer sich: „Die Agitation des braunen Stadtrats in München sei alarmierend“, zitierte die „Abendzeitung“ tags darauf. Der Fall zeige, „mit welcher verwerflichen und aggressiven Strategie die NPD-Tarnorganisation ihr braunes Gedankengut in öffentlichen Gebäuden verbreitet“. Viele Gäste waren erstaunt, hätte ihr Redebeitrag doch eigentlich ein Grußwort zum Holocaust-Gedenktag sein sollen. War das der letzte Auslöser für jüngste Rücktrittsforderungen an Knoblochs Adresse? Und hat am Ende der Frust die WJC-Vizechefin übermannt?

Spekulationen über Spekulationen. Nur soviel steht schon fest: Charlotte Knobloch geht. Die BIA bleibt.

 
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